Ja / Yes

Ich kann nicht wiederholen, was sie noch alles gesagt hatte im Laerchenwald, in welchem sie sich auf dem Hoehepunkt ihrer Gefuehls- und Geistesentladung auf einen Baumstumpf gesetzt hatte, tatsaechlich tief hineingekrochen in ihren Schafpelzmantel. Ein Tier haette sie sein koennen, wie sie da auf dem Baumstumpf gesessen war und sich ausgeschuettet und schliesslich nurmehr noch geweint hatte. War es nicht mein eigener Zustand, den mir die Perserin jetzt so auf dem Baumstumpf sitzend, vorgefuehrt hatte? Es ekelte mich vor dieser Szene mehr, als dass sie mich geruehrt haette und ich ermunterte die Perserin, aufzustehen und nachhause zu gehen, was soviel geheissen hatte, wie ins Gasthaus zurueckzugehn. Auf diesem Rueckweg war mir vorgekommen, als ob sie erleichtert  gewesen waere  und ich musste jetzt unwillkuerlich diesen ihren Rueckweg durch den Laerchenwald mit meinem Nachhauseweg vom Moritz ein paar Tage vorher vergleichen. Was ich damals nicht hatte sagen koennen, weil ich dazu keine Moeglichkeit gehabt hatte, sagte sie, als wir auf den Ort zu gegangen waren, keine hundert Schritte vor dem ersten Haus, hinter welchem auch schon das Gasthaus sichtbar geworden war: dass ich sie gerettet haette.  Sie habe schon monatelang, vielleicht auch schon jahrelang mit keinem Menschen in der Weise reden koennen, in welcher sie jetzt mit mir geredet hatte, was nichts anderes bedeutete, als dass sie monatelang oder jahrelang an keinen Menschen gekommen war, dem sie sich vollkomen und auf die schamloseste und ruecksichtloseste Weise haette eroeffnen koennen.  Sie glaubte, mir fuer mein Verhalten waehrend ihres totalen Gefuehls- und Geistesausbruchs danken zu muessen und wollte dann offensichtlich ploetzlich allein sein. Ich war in einem gleichzeitig erschrockenen, gleichzeitig vollkommen ernuechterten Zustand nachhause gegangen. Schon den Tag darauf hatte ich sie wieder abgeholt und war wieder mit ihr in den Laerchenwald gegangen.


I cannot repeat all the things she said to me in the larch-wood, where, at the climax of her emotional and intellectual discharge, she had actually sat down on a tree stump, actually withdrawn into her Persian lamb coat. She could have been some animal, sitting there on the tree stump and pouring her inside out and eventually only crying. Was this not my own condition which the Persian woman, sitting now on that tree stump, was enacting for me? I was more nauseated by the scene than I was moved and I encouraged the Persian woman to get up and go home, which meant going back to the inn. On the way back I had the impression that she had found relief and inevitably I compared her way back home through the larch-wood with my own way back home from Moritz a few days earlier. What I had then been unable to say because I had no chance of doing so, she now said as we were walking towards the village, not a hundred steps from the first house, beyond which the inn could now be seen: That I had saved her. For many months, perhaps for many years, she had not been able to talk to anyone the way she had just talked to me, which meant nothing more than that for months and for years she had not come across anybody to whom she could have unburdened herself completely and in the most shameless and ruthless manner. She believed she had to thank me for my behaviour during her emotional and intellectual outburst and then, all of a sudden, clearly wanted to be left alone. I had walked home in a shocked and simultaneously totally sobered-up condition. The very next day I had again called for her and again walked with her to the larch-wood.


(Extract from Thomas Bernhard, Ja)

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